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Monatssprüche

Monatsspruch Mai

Liebe Gemeinde, in unserem täglichen Leben verwenden wir das Wort „Segen" recht oft: „Ein gesegnetes neues Lebensjahr", „Gesegnete Feiertage" oder - was uns gar nicht mehr bewusst ist - das in vielen Betrieben gebräuchliche „Mahlzeit" zur Mittagspause, es heißt eigentlich „gesegnete Mahlzeit". Ebenso ist in vielen Redewendungen vom „Segen" die Rede: „Sich regen bringt Segen", der „Haussegen", der „Erntesegen", oder der „Kindersegen". Sie können die Liste noch beliebig fortsetzen. Dass man sich zu Geburtstagen, zu Jubiläen, zu Weihnachten oder zur Geburt eines Kindes Briefe oder Karten mit Segenswünschen sendet, ist heutzutage etwas aus der Mode gekommen, eigentlich schade. Freundliche Worte und ein guter Wunsch, der Zuspruch von Segen, das tut gut.

Bereits in der Antike war der Gebrauch von Segensworten üblich. So beschloss man schon damals einen Brief mit einem Segenswort. Paulus beendete seinen Brief an die Römer mit dem segnenden Zuspruch „Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr völlige Hoffnung habt durch die Kraft des heiligen Geistes." (Röm. 15,13).

Die Segensworte des Paulus sind auch ein segnender Zuspruch an uns. Wir können im Glauben Freude und Frieden von Gott empfangen. Doch gibt es denn da überhaupt etwas, was mich so mit Freude erfüllen und so auch meine alltäglichen Sorgen vergessen lassen kann? Und von welchem Frieden spricht da Paulus? Der Weltfrieden kann wohl kaum gemeint sein. So wird der eine oder die andere von Ihnen vielleicht denken.

Paulus ist sich sicher, Gott schenkt dem Menschen Freude und seinen Frieden. Gott liebt den Menschen. Aus Liebe ist er für uns am Kreuz gestorben, hat er für uns das auf sich genommen, was eigentlich unsere Last, unsere Schuld ist. Aus Liebe schenkt er so seinen Frieden. Einen Frieden, für den wir nichts tun müssen, für den wir nichts tun können. Denn Gott hat schon alles getan. So können wir im Glauben froh sein, denn unsere Schuld wird uns nicht mehr angerechnet werden, und wir haben Frieden mit Gott.

Paulus will unsere Sorgen und unser erfahrenes Leid nicht wegreden, er will uns vielmehr Mut machen: Bei allem, was wir tun, ist Gott dabei. Gott geht mit uns diesen Weg, unseren Weg. Aus Liebe schenkt er uns seinen Frieden, aus Liebe will er, dass wir Freude empfinden, aus Liebe will er, dass wir leben werden bei ihm. So können wir froh sein und jetzt schon in Frieden mit Gott leben, auch wenn alltäglich Sorgen uns quälen und Ängste uns klein machen.

Liebe Gemeinde, ich wünsche Ihnen, dass Sie die Freude und den Frieden, den der Glaube an Jesus Christus in sich birgt, erfahren, und schließe mit den Worten des Apostels Paulus, die Sie als Segensworte in dieser Frühlingszeit begleiten mögen:

„Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr völlige Hoffnung habt durch die Kraft des heiligen Geistes."

 

Ihre Susanne Leinweber

 

 

Monatsspruch Dezember 2010

Kehrt um!

Denn das

Himmelreich

ist nahe.

Matthäus 3,2

Jetzt ist sie wieder da, die Adventszeit, gemütlich, heimelig, mit Keksen und Kerzen - vertraut und schön. Adventszeit ist Wartezeit, eine Zeit des „Noch nicht - aber beinah doch schon". Sichtbar wird das, wenn wir Sonntag für Sonntag eine Kerze am Adventskranz mehr entzünden bis fünf Tage vor Heiligabend dann endlich alle vier leuchten.

Die Wartezeit könnte eine Zeit der allmählichen Steigerung spannungsreicher Vorfreude sein. Könnte? Ja, könnte! Denn in ihr wagen sich wohl wie in keiner anderen Zeit des Jahres (Kindheits-)Erinnerungen und Enttäuschungen hervor, werden wir verletzlicher.

In diese Zeit hinein ruft uns Johannes der Täufer zu: „Kehrt um. Denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen." Umkehr ist das Zurückgehen zu einem vorherigen Punkt. Doch wohin sollen wir umkehren? War denn jemals alles im Lot? Und wie schwer ist es, die alten eingetretenen Pfade zu verlassen. Ängstlich fragt sich der eine, ob er denn gut genug sei, um je den richtigen Platz zu finden. Unsicher denkt die andere darüber nach, welcher der angebotenen Möglichkeiten sie vertrauen kann. Umkehr?

Vielleicht wäre es besser, von einer „Nach vorn Kehr" zu sprechen, davon, das Alte friedlich zu verabschieden und hoffnungs- und vertrauensvoll nach vorn zu schauen, denn dort ist das Himmelreich nahe herbeigekommen.

So jedenfalls verheißt es uns Johannes. Wer diese Worte hören und ihre verändernde Kraft spüren will, der muss sich auf den Weg machen, wie die Menschen, denen Johannes der Täufer ursprünglich dieses Versprechen gab.

Der muss auch bereit sein, seine Schritte immer wieder zu überdenken, sie dann aber auch zu wagen. Die Zusage gilt uns allen. Und wenn wir das Alltägliche einmal hinter uns lassen, den Lärm und das geschäftige Treiben dieser Tage eintauschen gegen einen Moment der Stille, wenn wir es den Menschen gleichtun, die zu Johannes dem Täufer in die Stille der Wüste aufbrachen und hinabstiegen an das Ufer des Jordans, dann ist die Stimme zu hören, die auch uns einen neuen Anfang verheißt.

Sie spricht von dem, der sich aufmacht zu uns in diesen Tagen. Das Himmelreich ist nahe, denn Gott kommt zur Welt. Er macht sich auf, um bei uns zu wohnen. Er lässt uns neu auf unser Leben schauen, und er will uns begleiten in den kleinen und in den großen Aufbrüchen unseres Lebens. Dann wird nicht auf einmal alles klappen, denn die Adventszeit ist eben auch die Zeit des „Noch nicht". Sie präsentiert uns keine fertigen Wege, aber sie macht uns Mut zur „Nach vorn Kehr". Und dann gilt es auch für uns: Das Himmelreich ist nahe!

Eine gesegnete Adventszeit.

Ihre Sabine Kresse


 

Monatssrpuch Oktober 2010

„Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan und niemand kann sie zuschließen.
Offenbarung 3,8

„Hallo, herzlich willkommen! Schön, dass Du gekommen bist.” Mein Freund steht in der offenen Tür. „Komm rein, ich habe schon Kaffee gekocht”. Drinnen ist es warm und gemütlich, eine brennende Kerze und Kuchen stehen auf dem Tisch, und der Kaffee duftet. So ein Empfang tut gut. Ich fühle mich angenommen und geborgen. Ich habe auch schon vor verschlossenen Türen gestanden. Wenn ich schnell noch etwas einkaufen wollte, der Laden aber schon zu war. Wenn jemand nicht zu Hause war, den ich besuchen wollte. Im Laufe des Lebens bemerke ich, dass einige Türen sich für immer schließen und manche Chancen nicht mehr wiederkommen. Das ist bitter. Oft übersehe ich dann die Wege, die sich an anderer Stelle für mich auftun. Natürlich hat das auch mit dem Alter zu tun, wenn ich nicht mehr alles kann, was junge Menschen können. Und von vielen Möglichkeiten, die im Laufe des Lebens auftauchen, werden nur wenige Wirklichkeit. Und dann wieder zurück auf Anfang, geht nicht. Es gibt auch die Türen, die einmal offen waren, aber später zugeschlagen und fest verriegelt wurden. Am Anfang waren zwar der Wunsch und der Wille da, einander ein Zuhause zu geben. Doch irgendwann ließ das Verbindende nach, Worte und Gesten kamen nicht mehr an, die Herzenstüren wurden verschlossen. Das spüren Paare, die sich auseinandergelebt haben und dann vor der Trennung stehen. Das spüren auch Kinder und Eltern, wenn die Wege so unterschiedlich geworden sind, dass man nicht mehr zueinander findet, ja in Zorn und Wut auseinandergeht und die Tür für immer zuschlägt - die im Haus und die des Herzens. Das tut weh, und es bleibt eine schmerzende Narbe. Es ist ein großes Glück, wenn es uns Menschen gelingt, einander die Tür ein Leben lang offen zu halten. Wir können uns darum bemühen. Aber garantieren können wir es nicht. Gott allein kann so ein Versprechen geben. Und er bindet es nicht an ein künftiges Verhalten. Auch dann nicht, wenn ich mich verändere, seine Zusage bleibt: „Meine Tür ist und bleibt offen für dich! Niemand kann sie zuschließen.” Das ist eine gute Grundlage für mein Leben: Ich bin willkommen in Gottes Wohnung. Seine Herzenstür steht mir offen. Bei ihm finde ich ein Zuhause, das bleibt, denn „ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar“, wie es in Psalm 23 heißt. Ihr Michael Rohde

 

Monatsspruch Juni

Gedanken zum Monatsspruch Juni

Der Prophet Amos, der um ca. 760-758 v. Chr. in Israel den Willen Gottes predigte, kündigte zu dieser Zeit den Untergang der bestehenden staatlichen Verhältnisse an. Grund für eine so unheilvolle Botschaft war der Umgang mit den Ärmsten und den Schwächsten in der eigenen Gesellschaft. Amos klagt an: „Sie verkaufen die Unschuldigen für Geld und die Armen für ein Paar Schuhe. Sie treten den Kopf der Armen in den Staub und drängen die Elenden vom Wege.“ Amos sieht nur einen Weg aus der Misere, und zwar verkündigt er: „Gott spricht: Suchet mich, so werdet ihr leben. Hasset das Böse und liebet das Gute, richtet das Recht auf im Tor.”
Zur Zeit des Amos war es normal, dass ein Schuldner seinem Gläubiger zur Begleichung seiner Schuld seine Arbeitsdienste anbot. Der Schuldner galt weiterhin als freier Bürger mit allen dazugehörigen Rechten. Das Vergehen, das Amos anprangert, ist nicht dieser Sachverhalt an sich, sondern dass der Gläubiger seinen Landsmann auch noch an einen Dritten verkauft und somit der Schuldner rechtlos wird. Weiterhin prangert Amos an, dass die Elenden vom Wege gedrängt werden. Das Wort „Weg” bezeichnet den Gang zum Tor, dem Ort, an dem Recht gesprochen wurde. Die Armen werden so um ihre Existenzgrundlage gebracht. Weiter wird ihnen verwehrt, Einspruch vor Gericht zu erheben, indem sie vorzeitig auf dem Weg dorthin abgefangen werden.

Schuldsklaverei gibt es in unserer Gesellschaft nicht, auch können alle Bürger ihre Rechte einfordern. Doch gibt es Beispiele, in denen Menschen in eine unüberwindbare Abhängigkeit geraten oder gar rechtlos werden?
Was wir an Reichtum und Wohlergehen erreichen, was wir im Überfluss konsumieren, - das müssen wir uns klar machen, weil es uns oft nicht bewusst ist -, führt in den globalen Zusammenhängen in vielen Fällen zu Armut und Entbehrung in anderen Teilen der Welt. Mich persönlich beschäftigte vor ein paar Wochen die Begegnung mit einem Mann, den ich bei einem Besuch der JVA Wehlheiden kennen gelernt habe. Als verurteilter Bankräuber muss er eine lange Haftstrafe unter härtesten Bedingungen dort absitzen. Sicherlich verdienen seine Taten strafrechtliche Konsequenzen, doch für ihn bieten sich keine Hoffnungen oder Perspektiven mehr darauf, dass sich jemand oder eine Instanz für ihn einsetzt oder sich überhaupt ein wenig um ihn kümmert.
Gott spricht: Suchet mich, so werdet ihr leben. Gott ist die Quelle des Lebens. Alles, was wir für ein gelingendes Leben brauchen, wird uns von Gott geschenkt. Er schenkt uns Liebe, Vergebung und Trost und auch die Anleitung, wie wir das Leben miteinander zum Besten gestalten können. Dort, wo wir Liebe, Vergebung und Trost unseren Mitmenschen entgegenbringen, leben wir nach dem Willen Gottes, und wir erfahren gleichzeitig seine heilsame Nähe.

Ihre Vikarin Susanne Leinweber
 

Monatsspruch Mai 2010

Gedanken zum Monatsspruch Mai 2010

Im schönen Monat Mai, für den das Wort aus dem Hebräerbrief der Leitspruch sein soll, steht mir die neuerblühende Natur in ihrer Pracht vor Augen. Wo ein Landwirt vielleicht nur den Nutzwert des Viehfutters sieht und ein Gärtner das Unkraut, zeigt mir das wundervolle Blüten-meer immer neu die schöpferische Hand Gottes. Es kommt immer auf die Sichtweise an, mit der wir Menschen uns in unserer Welt umsehen. Es liegt an unserer Einstellung, was wir sehen, und es liegt nicht an unseren Augen.

Glaube – ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht? Gerade die neuerwachende Natur zeigt uns, dass so manches im Verborgenen geschieht, was unsere Augen nicht sehen, was aber doch wirklich ist. So sagt Phil Bosmans: „Glauben: Er ist etwas anderes als religiöses Wissen, etwas anderes als das Akzeptieren von gewissen Wahrheiten und Lehrsätzen. Glauben: Er beginnt mit dem Eintreten in ein großes Geheimnis. Tastend und suchend, fragend und bittend um Licht. Bis Gott eines Tages auf dich zukommt und dich seine Gegenwart spüren lässt in den tausend Dingen jeden Tages.“

Ich bin eingeladen, meine alltägliche Wirklichkeit mit den Augen des Glaubens zu sehen. Ein paar Verse weiter spricht der Verfasser des Hebräerbriefes von der „Wolke der Zeugen“, die wir um uns haben. Dies hat mich schon immer fasziniert, nicht nur, weil die wirklich großen Taten und humanitären Leistungen aus dem Glauben erwachsen sind, sondern auch weil ich sie spüre in Kraft, Ermutigung und Zuversicht. So überrascht die wörtliche Übersetzung des Monatsspruches auch nicht wirklich. Sie lautet: „Glaube ist aber Verwirklichung von Erhofftem, ein Beweis für Dinge, die nicht gesehen werden können.“

In diesem Sinn schafft sich der glaubende Mensch die Welt, die ihn wesenhaft bestimmt. Wie es auch die Quantenphysiker nicht anders sagen, die jede Wirklich-keit durch den Glauben des Betrachters bestimmt sehen. Ausschlaggebend ist nur, welcher Glaube uns bestimmt.

Der große Theologe Paul Tillich ermutigt in seinem Buch „Mut zum Sein“ zum christlichen Glauben und schreibt: „Der Glaube ist keine Meinung, sondern ein Zustand. Glaube ist der Zustand des Ergriffenseins von der Macht des Seins selbst, die alles transzendiert und an der alles partizipiert. Wer von dieser Macht ergriffen ist, kann sich bejahen, weil er weiß, dass er bejaht ist.“ Dieser Zustand lässt über sich selbst hinauswachsen, wie wir es in der Geschichte sehen (Pyramiden/ Nelson Mandela/ M. Luther King..u.a.), und wir erleben uns sinnerfüllt. Ich wünsche Ihnen diese Kraft und Zuversicht des Glaubens, damit auch Ihr Leben erblühe.

Ihre Sabine Decker

 

 

 
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