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Monatsspruch Maerz 2010

Margit hatte gerade ihren 50. Geburtstag gefeiert, als sie merkte, dass sich ihre Mutter veränderte. Immer öfter ließ sie den Herd an, ging hinaus und fand nicht mehr nach Hause zurück, war von einem Augenblick auf den anderen aggressiv. Eine Untersuchung beim Arzt brachte das niederschmetternde Ergebnis: eine schnell fortschreitende Demenzerkrankung. Der Herd wurde abgeklemmt, die Haustür verschlossen, doch das Zusammenleben wurde nicht einfacher. Nach einem Jahr wurde die Mutter ruhiger, erkannte aber selbst lang vertraute Menschen nicht mehr. Das Herz blieb kräftig, die Beweglichkeit ließ nach. Die Mutter wollte sie zu Hause betreuen, das war ihr klar. Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes ließ Margit sich für ein Jahr beurlauben. Das Jahr verging, die Mutter brauchte weiter Pflege. Sie gab die Arbeit auf. Die Mutter starb kurz vor Margits 60. Geburtstag.

„Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“, sagt Jesus zu seinen Freunden. Liebe führt zur Hingabe, im Ernstfall bis zum Tod. Ein ungeheurer Anspruch in zweifacher Hinsicht. Zum einen, weil es uns oft so schwer fällt zuzulassen, dass einer sein Leben hingibt für mich. Meistens wollen wir das doch gar nicht, dass andere etwas für uns tun. Wir sehen zu, dass wir möglichst allein zurechtkommen, keinem zur Last fallen, auf niemanden angewiesen sind. Doch Jesus mutet uns das zu, dass wir seine Liebe annehmen.

GzM_Maerz2010

Zum anderen stellt uns Jesu Anspruch auch vor die Frage: „Wie weit reicht deine Liebe?“ Sicher kann und muss nicht jeder ein Märtyrer werden und sein Leben auf gewaltsame Weise verlieren. Aber das nimmt der Frage nicht ihre Ernsthaftigkeit.

Wie viele Einschränkungen nehme ich für andere in Kauf? Wo kann ich zurückstecken, auch wenn sich manches nicht mehr nachholen lässt? Hingabe muss nicht immer etwas ganz Großes sein. Sie kann auch in vielen kleinen Schritten geschehen, wie bei Margit.

Und wenn ich das nicht kann, wenn mir das alles zu groß ist? Ich glaube, dass wir es können, denn Gott selbst befähigt uns zur Liebe und zur Hingabe, dazu, über uns selbst hinauszuwachsen. Von ihm getragen und gestärkt, dürfen wir seine Liebe annehmen und daraus Kraft schöpfen, unsere Liebe weiterzugeben.

 

Ihre Sabine Kresse

 

 
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