Monatsspruch Mai 2010
Gedanken zum Monatsspruch Mai 2010
Im schönen Monat Mai, für den das Wort aus dem Hebräerbrief der Leitspruch sein soll, steht mir die neuerblühende Natur in ihrer Pracht vor Augen. Wo ein Landwirt vielleicht nur den Nutzwert des Viehfutters sieht und ein Gärtner das Unkraut, zeigt mir das wundervolle Blüten-meer immer neu die schöpferische Hand Gottes. Es kommt immer auf die Sichtweise an, mit der wir Menschen uns in unserer Welt umsehen. Es liegt an unserer Einstellung, was wir sehen, und es liegt nicht an unseren Augen.
Glaube – ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht? Gerade die neuerwachende Natur zeigt uns, dass so manches im Verborgenen geschieht, was unsere Augen nicht sehen, was aber doch wirklich ist. So sagt Phil Bosmans: „Glauben: Er ist etwas anderes als religiöses Wissen, etwas anderes als das Akzeptieren von gewissen Wahrheiten und Lehrsätzen. Glauben: Er beginnt mit dem Eintreten in ein großes Geheimnis. Tastend und suchend, fragend und bittend um Licht. Bis Gott eines Tages auf dich zukommt und dich seine Gegenwart spüren lässt in den tausend Dingen jeden Tages.“
Ich bin eingeladen, meine alltägliche Wirklichkeit mit den Augen des Glaubens zu sehen. Ein paar Verse weiter spricht der Verfasser des Hebräerbriefes von der „Wolke der Zeugen“, die wir um uns haben. Dies hat mich schon immer fasziniert, nicht nur, weil die wirklich großen Taten und humanitären Leistungen aus dem Glauben erwachsen sind, sondern auch weil ich sie spüre in Kraft, Ermutigung und Zuversicht. So überrascht die wörtliche Übersetzung des Monatsspruches auch nicht wirklich. Sie lautet: „Glaube ist aber Verwirklichung von Erhofftem, ein Beweis für Dinge, die nicht gesehen werden können.“
In diesem Sinn schafft sich der glaubende Mensch die Welt, die ihn wesenhaft bestimmt. Wie es auch die Quantenphysiker nicht anders sagen, die jede Wirklich-keit durch den Glauben des Betrachters bestimmt sehen. Ausschlaggebend ist nur, welcher Glaube uns bestimmt.
Der große Theologe Paul Tillich ermutigt in seinem Buch „Mut zum Sein“ zum christlichen Glauben und schreibt: „Der Glaube ist keine Meinung, sondern ein Zustand. Glaube ist der Zustand des Ergriffenseins von der Macht des Seins selbst, die alles transzendiert und an der alles partizipiert. Wer von dieser Macht ergriffen ist, kann sich bejahen, weil er weiß, dass er bejaht ist.“ Dieser Zustand lässt über sich selbst hinauswachsen, wie wir es in der Geschichte sehen (Pyramiden/ Nelson Mandela/ M. Luther King..u.a.), und wir erleben uns sinnerfüllt. Ich wünsche Ihnen diese Kraft und Zuversicht des Glaubens, damit auch Ihr Leben erblühe.
Ihre Sabine Decker