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Monatsspruch Juni 2010

Gedanken zum Monatsspruch Juni

Der Prophet Amos, der um ca. 760-758 v. Chr. in Israel den Willen Gottes predigte, kündigte zu dieser Zeit den Untergang der bestehenden staatlichen Verhältnisse an. Grund für eine so unheilvolle Botschaft war der Umgang mit den Ärmsten und den Schwächsten in der eigenen Gesellschaft. Amos klagt an: „Sie verkaufen die Unschuldigen für Geld und die Armen für ein Paar Schuhe. Sie treten den Kopf der Armen in den Staub und drängen die Elenden vom Wege.“ Amos sieht nur einen Weg aus der Misere, und zwar verkündigt er: „Gott spricht: Suchet mich, so werdet ihr leben. Hasset das Böse und liebet das Gute, richtet das Recht auf im Tor.”
Zur Zeit des Amos war es normal, dass ein Schuldner seinem Gläubiger zur Begleichung seiner Schuld seine Arbeitsdienste anbot. Der Schuldner galt weiterhin als freier Bürger mit allen dazugehörigen Rechten. Das Vergehen, das Amos anprangert, ist nicht dieser Sachverhalt an sich, sondern dass der Gläubiger seinen Landsmann auch noch an einen Dritten verkauft und somit der Schuldner rechtlos wird. Weiterhin prangert Amos an, dass die Elenden vom Wege gedrängt werden. Das Wort „Weg” bezeichnet den Gang zum Tor, dem Ort, an dem Recht gesprochen wurde. Die Armen werden so um ihre Existenzgrundlage gebracht. Weiter wird ihnen verwehrt, Einspruch vor Gericht zu erheben, indem sie vorzeitig auf dem Weg dorthin abgefangen werden.

Schuldsklaverei gibt es in unserer Gesellschaft nicht, auch können alle Bürger ihre Rechte einfordern. Doch gibt es Beispiele, in denen Menschen in eine unüberwindbare Abhängigkeit geraten oder gar rechtlos werden?
Was wir an Reichtum und Wohlergehen erreichen, was wir im Überfluss konsumieren, - das müssen wir uns klar machen, weil es uns oft nicht bewusst ist -, führt in den globalen Zusammenhängen in vielen Fällen zu Armut und Entbehrung in anderen Teilen der Welt. Mich persönlich beschäftigte vor ein paar Wochen die Begegnung mit einem Mann, den ich bei einem Besuch der JVA Wehlheiden kennen gelernt habe. Als verurteilter Bankräuber muss er eine lange Haftstrafe unter härtesten Bedingungen dort absitzen. Sicherlich verdienen seine Taten strafrechtliche Konsequenzen, doch für ihn bieten sich keine Hoffnungen oder Perspektiven mehr darauf, dass sich jemand oder eine Instanz für ihn einsetzt oder sich überhaupt ein wenig um ihn kümmert.
Gott spricht: Suchet mich, so werdet ihr leben. Gott ist die Quelle des Lebens. Alles, was wir für ein gelingendes Leben brauchen, wird uns von Gott geschenkt. Er schenkt uns Liebe, Vergebung und Trost und auch die Anleitung, wie wir das Leben miteinander zum Besten gestalten können. Dort, wo wir Liebe, Vergebung und Trost unseren Mitmenschen entgegenbringen, leben wir nach dem Willen Gottes, und wir erfahren gleichzeitig seine heilsame Nähe.

Ihre Vikarin Susanne Leinweber
 
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