Gedanken zum Monatsspruch 2008
Gedanken zum Monatsspruch
Gott spricht: Ich will euch erlösen, dass ihr ein Segen sein sollt. Fürchtet euch nicht und stärkt eure Hände. (Sacharja 8,13)
Vier wahrhaft „evangelische“ Begriffe, die der Monatsspruch uns sagt: Erlösung, Segen, ohne Furcht sein und Stärkung. Der Prophet Sacharja setzte sich in den zwei Jahren seines Wirkens (520-518 V. Chr.) in Jerusalem am Ende der Exilszeit besonders für den Neuaufbau des Tempels und die Neuordnung der Gemeinde ein. Im Zentrum seiner Schrift stehen sieben nächtliche Visionen, die die schon im Anbruch begriffene messianische Heilszeit behandeln. Im Monatsspruch wird dies deutlich: Wir werden erlöst, man kann auch sagen, mit Gott versöhnt und brauchen uns deshalb vor nichts und niemandem mehr zu fürchten. Darum können wir - im Wissen um diese neue Gottesgemeinschaft - die Hände stärken, d.h. unsere Gaben nutzen und ein Segen für diese Welt sein. Und dabei geht es offensichtlich um ganz „handgreifliche“ Dinge.
Was das konkret bedeuten kann, sieht man zum Beispiel auf der Kölner Hohenzollernbrücke. Hunderte von Schlössern hängen dort am Brückengitter, scheinbar nutzlos: sie schließen nichts mehr ab, verbinden keine Ketten mehr. Schlösser als Symbole von Freiheit. Denn es sind „Liebesschlösser”, die verliebte Paare dort befestigen. Es ist ein Brauch, der aus dem lettischen Riga kommt, wo frisch Vermählte seit Jahrzehnten ein Schloss auf einer Brücke anbringen, den Schlüssel ins Wasser werfen und dann der Bräutigam die Braut über die Brücke trägt. Zur Liebe befreit oder Bindung in Freiheit, denn die Liebe ist ein Kind der Freiheit - so will ich diesen Brauch überschreiben. Vor dem Hintergrund des Monatsspruches kann ich auch sagen: Die Paare trauen sich, ein gemeinsames Leben zu führen, einander ein Segen zu sein, weil sie sich und ihre Liebe in etwas geborgen wissen, das größer ist als sie, nämlich Gottes Liebe zu uns Menschen. Er nimmt uns an, wie wir sind, so dass wir auf unsere Erlösung und Versöhnung mit Gott vertrauen, ja bauen können.
Und das ist nur ein Beispiel, wie wir ein Segen sein können im Vertrauen auf Gottes Weg mit uns: Einander verzeihen, teilen, füreinander einstehen, eine Stimme für die Benachteiligten sein - und das alles auch dann, wenn es riskant ist, wenn es mich etwas kosten kann.
Wie das gelingt? Im Hören auf die Stimme meines Herzens, wenn ich mal aus all dem Stress aussteige, innehalte, stille werde und Gottes Gegenwart spüre. Advent und Weihnachten ermutigen uns dazu.
„Fürchtet euch nicht, ich will euch erlösen. Stärkt eure Hände und seid ein Segen“, sagt uns Gott durch den Propheten, und es klingt wie die Botschaft des Engels an die Hirten auf den Feldern Bethlehems.
Eine gesegnete Adventszeit
Ihr Michael Rohde
Ihre Sabine Decker