Selamat Tahun Baru
...ein frohes und gesegnetes Neues Jahr wünschen wir Ihnen aus dem fernen Jakarta.
Bei Ihnen hat es ja wohl mit Kälte und vor allem viel Schnee angefangen, hier ist es immer gleichmäßig warm (ca.33°C), und nur wenn es regnet, kühlt es ein bisschen ab. Auch die Nächte sind sehr warm, und so benutzen wir statt einer Heizung eine Klimaanlage, um unser Schlafzimmer auf etwa 26°C herunterzukühlen.
Auch sonst unterscheidet sich unser Leben stark von dem in Kassel. Hier geht man nie zu Fuß, alles wird mit dem Auto erledigt. Wegen des irrsinnigen Verkehrs in dieser zwölf Millionenstadt hat man dann aus Sicherheitsgründen auch einen Fahrer. Wahrscheinlich würden wir uns ohne ihn auch nie zurechtfinden.
Da die unendliche Zahl von Autos und Motorrädern mehr steht als rollt, muss man auch gut kalkulieren, was man an einem Tag alles erledigen kann. Es kann durchaus passieren, dass man für ca. 20 km mehr als zwei Stunden braucht.
Andererseits wird man durch das große Angebot an Gemüse und leckeren Früchten verwöhnt und lebt so sehr gesund. Wenn auch Milch produkte und Fleisch für hiesige Begriffe recht teuer sind, alles ist immer noch billiger als zu Hause.
Das Essen an solchen kleinen Straßenständen wie auf dem Foto verkneifen wir uns aber vorsichtshalber, wenn es auch oft lecker aussieht.
Wir haben ein großes und schönes Haus, das gleichzeitig als Gemeindezentrum dient. So gibt es in unserem Wohnzimmer eine Nische, die als Altarraum hergerichtet ist.
An jedem ersten und dritten Sonntag im Monat ist Gottesdienst. Dann wird das Wohnzimmer umgeräumt, die Couchgarnitur an die Wand geschoben, und es werden im Halbkreis vor der Nische Stühle aufgestellt für die „Wohnzimmerkirche“. Im Moment gehören knapp vierzig Familien zur Gemeinde. An „normalen“ Sonntagen versammeln sich zwischen 30 und 40 Menschen zum Gottesdienst, ein Prozentsatz, von dem man in Deutschland nur träumen kann. Der Kindergottesdienst findet in der Garage statt, und auch da gibt es immer genügend kleine Teilnehmer.
Da viele Gottesdienstbesucher einen langen Weg zur Kirche haben (manche bis zu anderthalb Stunden), gibt es anschließend für alle neben Obst eine Suppe, die die Gemeinde stellt. Auch einige Gemeindeglieder bringen etwas zu essen mit, und so steht man noch gut eine Stunde gemütlich beisammen, unterhält sich, tauscht Neuigkeiten aus oder lernt sich kennen.
Im Moment ist die Gemeinde in der glücklichen Lage, sogar eine Kantorin als Mitglied zu haben. So werden wir in den Gottesdiensten auf der kleinen Orgel professionell begleitet.
Im Advent haben wir uns gemeinsam mit der katholischen Gemeinde zu einem sehr schönen Adventssingen zusammengefunden (s.Foto), in dem die Kantorin mit einigen Mitstreitern ein kleines Konzert gab. Es beeindruckt uns, dass sich in einer so kleinen Gemeinschaft Menschen finden, die gerne musizieren und andere mit Freude daran teilhaben lassen.
Bei solchen Gelegenheiten kommt das Platzangebot an seine Grenzen. Seit Weihnachten wissen wir: Wenn wir wirklich alles an Sitzgelegenheiten zusammensuchen, können wir gut 80 Personen unterbringen.
Weihnachten in Jakarta ist natürlich auch ganz anders als in Kassel. Zum einen ist Indonesien das größte islamische Land der Welt, und wir Christen sind nur eine kleine Minderheit, die es nicht immer ganz leicht hat. Trotzdem war in den vielen großen Einkaufszentren die Weihnachtsdekoration nicht zu übersehen und auch die Hotels waren festlich geschmückt.
Mit Frau Bartsch gab es natürlich auch bei uns einen „richtigen“ Weihnachtsbaum, eine Konifere und keine Plastiktanne. Nach dem Gottesdienst am späten Nachmittag fanden sich dann achtzehn Gäste zusammen, die mit uns gemeinsam Weihnachten bei einem Festessen gefeiert haben. Auch hier steuerte jeder etwas bei, und so hatte niemand großen Stress. Es gibt viele „gemischte“ Familien in der Gemeinde, die im Aufeinandertreffen zweier sehr unterschiedlicher Kulturen wohl keinen eigenen Weg für das Fest gefunden haben und so dieses Angebot sehr gern annehmen.
Wir hoffen, dieser kurze Bericht hat Ihnen einen kleinen Einblick in unser Leben hier vermittelt.
Mit ganz herzlichen Grüßen,
Bärbel und Dieter Bartsch