Interview mit Matthias Enkemeier
Am 29. Mai wurde Frau Schulze als Leiterin der Kantorei verabschiedet. Dabei dirigierten Sie die Bläser, sangen im Chor und spielten Klarinette...Welche Instrumente spielen Sie noch, und leiten Sie jetzt die Kantorei?
Die Kantorei leite ich nicht. Die Position von Frau Schulze wird im Januar Frau Daniela Weltecke übernehmen. Sie erwartet im August ein Kind und kann deshalb nicht direkt Frau Schulze ablösen. Der Übergang wird von Frau Schulze und mir betreut. Es gibt also keine Kantoreipause!
Zu den Instrumenten: Leider kein Klavier. Zur Klarinette gesellen sich verwandte Instrumente wie Alt- und Tenorsaxophon und Bassklarinette. Mit der Geige habe ich meine musikalische Laufbahn begonnen.
Herr Enkemeier, dies alles kostet doch sicher sehr viel Zeit, Übung und Vorbereitung. Wie geht das, da Sie ja außer dem Beruf auch Familie haben? Sehen Sie die noch?
Andere Menschen gehen regelmäßig zum Sport. Ich/Wir machen Musik - auch ein Mannschaftssport! Allerdings mit weniger Verletzungen. Da ich durch die Musik meine Frau kennengelernt habe, verbinden uns die gleichen Interessen - was unschwer zu erkennen ist. So verbringen wir relativ viel Zeit beim gemeinsamen Musizieren. Und warum sollte es unseren Kindern besser ergehen als mir? Sie sind also auch häufig mit von der Partie.
Sie selbst sind ausschließlich ehrenamtlich tätig so wie auch die Mitwirkenden in den verschiedenen Ensembles. Sie präsentieren aber auch immer wieder professionelle Musikerinnen und Musiker, die sicher ihren Preis haben. Wie tragen sich diese Kosten? Welche Risiken gehen Sie ein?
Viele professionelle Musiker haben keine oder nur sehr selten Gelegenheit, solistisch aufzutreten. Deshalb sind sie dankbar für solche Auftrittsmöglichkeiten. Der entscheidendere Faktor ist aber wahrscheinlich, dass die meisten unserer Solisten aus dieser Liga Freunde oder gute Bekannte sind und deshalb die Sache realisierbar wird. Die entstehenden Kosten (z. B. für Anreise) werden natürlich gedeckt. Von daher halten sich die Risiken in Grenzen. Darüber hinaus ist man bereit, für ein intensives „Hobby" auch zu zahlen (z.B. Noten...).
Aus meiner Sicht ist das Silvesterkonzert immer der Höhepunkt des Jahres...in diesem Jahr zum 20sten Mal. Zwei Dinge sind für mich da besonders hervorzuheben. Zum einen beeindruckt mich, dass Sie es immer wieder verstehen, junge Musikerinnen und Musiker zu begeistern und zu integrieren...
Im Ernst - ich glaube, es ist schwieriger, erwachsene Musiker zu begeistern und zu integrieren. In erster Linie ist es die Sache an sich, die die Menschen - groß und klein - begeistert und zusammenführt: Die Möglichkeit zum Gemeinschaftserleben von Rhythmus und Klang.
... zum anderen, dass die Erlöse (früher auf Spendenbasis, jetzt wegen der Platzprobleme per Eintritt) für bestimmt Zwecke gespendet werden. Haben Sie eine Vorstellung, was da in 19 Silvesterkonzerten so zusammenkam?
Ohne die beiden ersten Konzerte (Unterlagen verloren): ca. 34.500 €.
Wenn man sich in Kassel so umsieht, gibt es eine Menge an „Kirchen-musik". In unserer Gemeinde gibt es seit einiger Zeit am letzten Sonntag des Monats abends „Musik und Wort". Ist dies eine neue Gottesdienstform, und gibt sich Harleshausen ein neues Profil in der Gemeindearbeit?
Diese Form des Gottesdienstes gibt es an anderen Orten auch und auch schon länger. Z. B. in der Leipziger Thomaskirche. Als Harleshäuser Spezialität kann man vielleicht die Offenheit für Musikstile aller Art bezeichnen, solange sie nicht christlichen Grundwerten entgegenstehen. Diese Offenheit ermöglicht eine Bereicherung der „Kirchenmusik" mit nicht wortgebundenen Werken. Dadurch kann vielleicht manchem der Zugang zu Kirche und Gottesdienst erleichtert werden, der von den traditionellen Formen des Gottesdienstes bzw. „frommer" Kirchenmusik lieber Abstand hält.
Noch eine sehr persönliche Frage: Welche Rolle spielt der Glaube bei all Ihrem Tun?
Dazu möchte ich unseren Trauspruch zitieren: „Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, dass ich gewiss nicht fallen werde" (Psalm 62, 2+3). Den Ort, der für mich diese Hoffnung hier im Leben manifestiert, den möchte ich durch mein Tun für andere aber auch für mich selbst schmücken und beleben.
Wie üblich auch an Sie die abschließende Frage. Möchten Sie unseren Leserinnen und Lesern noch persönlich etwas mit auf den Weg geben?
Ich möchte allen danken, die mich bzw. uns durch ihren Besuch von Konzerten, durch Zuspruch und natürlich auch durch Spenden ermutigen, im Spiel zu bleiben! Im Übrigen: Die Gemeinde sammelt gerade für einen Flügel für unsere Kirche!
Herr Enkemeier, vielen Dank für das Gespräch verbunden mit dem Wunsch, dass Sie und Ihre Familie mit ihren musikalischen Talenten weiterhin viele Menschen erreichen zum Lobe Gottes und dass sich viele Spenderinnen und Spender finden, damit bald der Flügel in der Kirche steht und neue musikalische Möglichkeiten eröffnet.
Dietmar Schaub