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Pfarrer Strenger

Der Rückgang der Gemeindeglieder stellt allgemein ein Problem dar. Wie sieht das in Ihrer Gemeinde aus? Spielen die Missbrauchsfälle an anderen Orten eine Rolle?

Letzteres spielte bei uns keine Rolle. Die Gruppen werden kleiner, die Zahl der Gottesdienstbesucher geht zurück, so dass bereits ein Gottesdienst gestrichen wurde. Insgesamt gibt es am Wochenende 2 Gottesdienste und alle 14 Tage der Familiengottesdienst sonntags um 11 Uhr.

Das Thema „Gemeindezusammen-legung" ist in der evangelischen Kirche von großer Bedeutung. Auch in der katholischen Kirche?

Ja. Wir gehören zum Pastoralverbund St. Maria Kassel West. Dazu gehören die Pfarreien St. Maria, Maria Königin des Friedens (Fatima), St. Michael und Herz-Mariä. Die Pfarrgrenzen sind geblieben. Nur Maria Königin hat keinen eigenen Pfarrer mehr und wird von St. Maria mit betreut. Auf Pastoralverbundsebene gibt es noch nicht viel Zusammenarbeit. Die Hauptamtlichen und die Vertreter der Pfarrgemeinderäte treffen sich aber regelmäßig.

In der evangelischen Gemeinde Harleshausen gibt es drei Pfarrer, zwei Predigtaufträge sowie Prädikantinnen und Prädikanten. Wer unterstützt Sie in Ihrer Arbeit?

Herr Günther Hejl unterstützt mich. Er ist Diakon und Gemeindereferent und vor allem ein tüchtiger Mitarbeiter. Er kann Wortgottesdienste halten, predigen, taufen und beerdigen. Sein Schwerpunkt ist vor allem die Jugendarbeit. Segeltörns, Rad- und Fußwallfahrten bietet er regelmäßig an. Außerdem gibt er an der Grundschule Harleshausen Religionsunterricht. Dann gibt es  viele ehrenamtliche Gemeindeglieder in der Pfarrei, die uns unterstützen, zum Beispiel Kommunion- und Firmkatecheten.  In der Elenaklinik ist eine Dominikanerin, Schwester Christa Bergkemper, als Seelsorgerin tätig. Ich bin also nicht alleine.

Nennen Sie uns doch bitte ein paar der vielfältigen Berührungspunkte zwischen katholischer und evangelischer Gemeinde.

Das Ökumenische Seminar, der jährliche gemeinsame Ausflug, ökumenische Gottesdienste, Zusammenarbeit in der ARGE, der Jugendförderinitiative, Stadtteilfeste, Schulanfängergottesdienst. Im Ökumenischen-Kirchenzentrum in Ahnatal gibt es noch einiges mehr, wie beispielsweise Bibel-Teilen, Kammerbergfest.

Können Sie uns schon ein Geheimnis verraten?  Wie lautet das Thema des nächsten ökumenischen Seminars?

Ja - es wird um das Verhältnis der Christen zum Judentum gehen. 1978 wurde das Ökumenische Seminar von den damaligen Pfarrern Dehmer und Plitt ins Leben gerufen und  hat bis heute Bestand.

Wir feiern gemeinsame Gottesdienste - aber kein gemeinsames Abendmahl.  Können Sie unseren Leserinnen und Lesern erklären weshalb das nicht möglich ist?

Das eigentliche Problem ist das unterschiedliche Amtsverständnis. Für den Katholiken gilt die Reihenfolge: Papst - Bischof - Priester. Nur wer in dieser Reihenfolge steht, ist gültig geweiht (ist ein gültiger Amtsträger der Katholischen Kirche). Nur wer gültig geweiht ist, kann der Eucharistiefeier vorstehen und auch die anderen Sakramente spenden. Eine Ausnahme ist die Taufe, die von beiden Kirchen gegenseitig anerkannt wird. Nur ein Katholik kann die Kommunion gültig empfangen - soweit das Kirchenrecht.

Es gibt aber auch Ausnahmesituationen, z.B. bei einer Trauung, in der auch der evangelische Partner die Kommunion empfängt, oder bei Gottesdiensten in den Altenheimen und Kliniken wird keiner gefragt, ob er katholisch ist. Es tut sich was. An Fronleichnam hat Dekan Renner bei dem zentralen Gottesdienst auf dem Königsplatz und der anschließenden Prozession das Evangeliar getragen und  die Kommunion empfangen. Auch Kardinal Ratzinger (der jetzige Papst) hat Roger Schütz (dem ehemaligen Prior von Taizé) vor laufender Kamera die Kommunion überreicht. Ich meine, dass man das Problem des Abendmahls nicht zu hoch hängen sollte. Vor einigen Jahren war das gemeinsame Abendmahl unter allen evangelischen  Christen auch noch nicht üblich und möglich. Wir brauchen noch viel Geduld. Zum Thema „Gemeinsames Abendmahl" würde ich mir eine offizielle Erlaubnis von Seiten der Amtskirche wünschen.

...wir pflegen aber gelegentlich eine andere Form der Tischgemeinschaft....

In Ahnatal feiern wir gelegentlich ein Agape-Mahl mit Brot und Saft und dem biblischen Einsetzungsbericht. Das haben wir auch in der Erlöserkirche so schon gefeiert.

2017 ist der fünfhundertste Jahrestag der Reformation. Haben Sie  Hoffnung, dass ein engeres Miteinander der Christen noch möglich wird?

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ein engeres Miteinander kann nur von unten kommen - nicht von oben. Meine Hoffnung ist, dass der Elan und die Freude an der Ökumene in den Pfarrgemeinden nicht nachlässt. In Harleshausen und Ahnatal erlebe ich eine Ökumene, die Mut macht, sich weiterhin für die Einheit der Christen einzusetzen.

Etwas ganz anderes: Gelegentlich kann man sehen, dass Sie „auf den Hund gekommen" sind....

Oh, inzwischen ist es der 4. Hund. Afa,  ein Mischling aus Ungarn, habe ich aus dem Tierheim. Wer einen Hund hat, geht täglich raus in den Wald. Dies tut dem Hund und auch dem Herrchen gut.

Wie üblich auch an Sie die abschließende Frage.  Möchten Sie unseren Leserinnen und Lesern noch persönlich etwas mit auf den Weg geben?

Für mich ist die Ökumene ein Herzensanliegen. Dieses Anliegen möchte ich  allen ans Herz legen. Sehen wir die Gemeinsamkeiten der beiden Kirchen! Nutzen wir den Spielraum, den wir haben! Praktizieren wir das, was heute schon möglich ist, dann kommen wir uns näher - ganz im Sinne Jesu, der uns sagt: „Alle sollen eins sein".

Herr Pfarrer Strenger, vielen Dank für das Gespräch  und Dank für ihr Engagement im geschwisterlichen Miteinander in unseren beiden Kirchengemeinden in Harleshausen. Möge diese Verbundenheit weiter wachsen und Ihnen Gesundheit und Gottes Segen zur Seite stehen.

Dietmar Schaub

 

 
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Gestaltet von Gabriele Zankl.