Reinhard Wintersperger
Ortsbeiratssitzungen finden öffentlich statt. Gibt es entsprechende Besucherreso-nanz oder bleiben sie doch mehr unter sich?
Das hängt vom Thema ab. Geht es etwa um die Verkehrsberuhigung oder Baumaßnahmen in einer bestimmten Straße, die Ausweisung eines neuen Baugebiets oder das Angebot an Mittagessen und Hortplätzen an der Grundschule, dann erscheinen die davon betroffenen Bürgerinnen und Bürger zahlreich, und es wird lebhaft mit ihnen diskutiert. Es gibt aber auch einen „harten Kern" kommunalpolitisch Interessierter, die bei den meisten Sitzungen von Anfang bis Ende zuhören.
Ich muss ehrlich zugeben, dass ich noch nie bei einer Sitzung des Ortsbeirates war. Allerdings darf ich, obwohl wir „auf dem Grundbuch von Harleshausen wohnen" hier nicht wählen. Wieso eigentlich? Gibt es da noch etwas aufzubereiten?
1980 wurden die Stadtteilgrenzen „begradigt", so dass seitdem einige Grundstücke der Gemarkung Harleshausen zu Kirchditmold gehören und umgekehrt. Seitdem wohnen Sie im Stadtteil Kirchditmold, können den dortigen Ortsbeirat wählen und sich in ihn wählen lassen.
Der Jahreswechsel zu 2012 steht an. Was haben wir im kommenden Jahr vom Ortsbeirat zu erwarten?
Dass der Stadtteilplatz neben der Bezirksstelle (an der Kreuzung Wolfhager/Karlshafener Straße) hoffentlich doch verwirklicht wird. Ansonsten wird es um dieselben Themen gehen wie immer: Erhaltung und Belebung des „Dorfkerns" als Einzelhandels- und Dienstleistungszentrum, Umgang mit dem Durchgangsverkehr, Erhaltung und Sanierung des Freibads, Stärkung des Vereinswesens.
In 2013 feiert die Stadt Kassel ein Jubiläum. Hat Harleshausen auch etwas damit zu tun?
Die Planung der Stadt Kassel sieht so aus, dass jeder der 23 Stadtteile für jeweils 2 Wochen im Mittelpunkt stehen und Veranstaltungen und Aktivitäten präsentieren soll, welche in der ganzen Stadt Interesse wecken sollen. Die Stadt plant, dass Harleshausen vom 18.02. bis 03.03.2013 den Anfang machen soll. Weil wir ein „grüner" Stadtteil sind, hätte mir ein Termin im Sommer besser gefallen. Die Stimmung in der letzten Ortbeiratssitzung ging aber dahin, es als Chance zu sehen, dass wir den Auftakt machen und wir dabei richtig Aufsehen erregen sollten. Das Potential hierzu mit unseren vielen aktiven Vereinen haben wir, und jedermann ist eingeladen, originelle Ideen einzubringen.
Herr Wintersperger, eine vielleicht etwas „private" Frage: Welche Bedeutung hat „Kirche" für Sie?
Jeder Mensch muss seinen eigenen Weg zu Gott finden, und ich bin dankbar, dass die evangelische Kirche dies ihren Gläubigen vermittelt. Die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten gibt Halt, Fürsorge und Stärke auf diesem Wege. Ich bin Mitglied einer freikirchlichen evangelischen Religionsgemeinschaft, der ich als Erwachsener beigetreten bin, die aber leider seit vielen Jahren in Kassel nicht mehr vertreten ist. So vermisse ich „meine Kirche". Deshalb wurden meine Töchter in der Erlöserkirche konfirmiert, und es war mir eine große Freude, vor einigen Wochen in der Christuskirche meine goldene Konfirmation zu feiern.
Gibt es aus ihrer Sicht Dinge, die die evangelische Kirchengemeinde der Erlöserkirche zum Wohle des Stadtteils - noch mehr - beitragen könnte?
Durch ihre Seelsorge und das von ihr unterhaltene soziale Netzwerk ist die Kirchengemeinde der Erlöserkirche ein wichtiger Faktor im sozialen Gefüge unseres Stadtteils. Sie ist aktives Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Harleshäuser Vereine, Verbände und Kirchen. Hier sollte die Kirchengemeinde sich weiter aktiv einbringen und die hier gegebene Bindung und Verzahnung lebendig erhalten.
Aus gut informierten Kreisen ist mir bekannt, dass Sie nun den Dienst als Richter wegen Erreichens der Altersgrenze beenden müssen. Haben Sie neben den bisherigen vielfältigen Ämtern noch neue oder weitere Ziele?
Ich möchte und werde „im Dorf bleiben". Durch die Ehrenämter, die mir im Laufe der Zeit so zugewachsen sind, kommt man „unter die Leute", und dieses Miteinander, der gemeinsame Einsatz für bestimmte Ziele und nicht zuletzt die Geselligkeit drumherum, sind für meine Frau und mich Heimat - weit mehr noch als das schöne Harleshäuser Wohnumfeld. Wir sind dankbar, dass wir als „Zugereiste" (meine Familie ist aus Ostpreußen geflüchtet, und meine Frau ist Hamburgerin) hier herzlich und ohne Vorbehalte aufgenommen - und auch vereinnahmt - wurden, und möchten dies auch weiter so pflegen.
Wie üblich auch die abschließende Frage an Sie. Möchten Sie unseren Leserinnen und Lesern noch persönlich etwas mit auf den Weg geben?
Bleiben Sie gesund und glücklich in Harleshausen!
Herr Wintersperger, vielen Dank für das Gespräch. Mögen die Hoffnungen und Erwartungen für 2012 für Sie und den Stadtteil möglichst in Erfüllung gehen und Ihnen weiterhin ein „gutes Händchen" bei den verschiedenen Interessen beschieden sein.
Dietmar Schaub