Katharina Staritz (April 1925) © Evangelisches Zentralarchiv, Berlin (Sign. 0500/34230)

„Sie bedürfen des Trostes aus Gottes Wort besonders“. Katharina Staritz und die Breslauer Christen jüdischer Herkunft angesichts der Sternverordnung von 1941


Ein Vortrags- und Diskussionsabend

Referentin:

Prof. em. Dr. Ilse Meseberg-Haubold (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg)


Katharina Staritz (*1903 in Breslau, †1953 in Frankfurt a.M.) war eine der ersten Frauen, die in der evangelischen Kirche in Deutschland als Pfarrerin arbeiteten.


Als Stadtvikarin an der St. Magdalenen-Kirche in Breslau setzte sie sich für die Jüdinnen und Juden in der Gemeinde ein. Vor 85 Jahren, am 12. September 1941 erschien ein Rundschreiben von ihr, das sich an alle Pfarrämter in Breslau richtete. Darin setzte sie sich mit der Polizeiordnung im Reichsgesetzblatt vom 5. September 1941 über das Tragen des Judensterns auseinander. Kurz nach Erscheinen dieses Rundbriefs wurde sie von all ihren Ämtern vom evangelischen Konsistorium enthoben.


Der Vortrag stellt den Inhalt dieses Rundschreibens, seine Hintergründe und den zeithistorischen Zusammenhang in den Mittelpunkt, ergänzt durch Angaben zur Biographie von Katharina Staritz.

Professorin Meseberg-Haubold schreibt zu Katharina Staritz in der Evangelischen
Kirche von Kurhessen-Waldeck:

„Ende Januar 1945 musste Katharina Staritz mit ihren Angehörigen (Mutter und Schwester) infolge der Annäherung der russischen Truppen Schlesien verlassen. Sie gelangte über Dresden nach Schmalkalden. Dort erreichte sie die Nachricht, die kurhessische Landeskirche sei bereit, sie aufzunehmen. Sie wurde zunächst mit Vertretungen für Pfarrer, die zum Militärdienst eingezogen waren, beauftragt.

Ein erster Einsatz erfolgte in Herrenbreitungen, danach übernahm sie im Sommer 1945 pfarramtliche Aufgaben in Sebbeterode und seinen Filialdörfern. Nach der Rückkehr des zuständigen Pfarrers erhielt sie einen Unterrichtsauftrag im Kindergärtnerinnenseminar in Bad Wildungen und dazu eine halbe Pfarrstelle in dem 200-Seelen-Dorf Albertshausen. Zu ihren Aufgaben kam später noch die Gefängnisseelsorge im Frauengefängnis Ziegenhain hinzu.

Ungewöhnlich war, dass sie alle pfarramtlichen Aufgaben wie Gottesdienste mit Abendmahl, Konfirmandenunterricht, Jugendarbeit und Frauenhilfe, Taufen und Beerdigungen ausführen durfte, obwohl die Theologinnen zum damaligen Zeitpunkt noch längst nicht den männlichen Theologen gleichgestellt waren.

Für die Berufsbiographie von Katharina Staritz war die „Einsegnung“ (Ordination) im Jahr 1938 von besonderer Bedeutung. Sie sah sich in ihrer Arbeit von der Kirche beauftragt und in ein kirchliches Amt berufen. Sie wandte sich mit vollem Einsatz den Menschen zu, die ihr jeweils als Gemeinde zugewiesen – oder zugefallen – waren: die Christen und Christinnen jüdischer Herkunft in Breslau, Mithäftlinge im Konzentrationslager, junge Menschen in ihrer Ausbildung, die hessische Landbevölkerung.

‚Der Herr hat mir gegeben
Ein reifes Erntefeld,
er hat mein armes Leben
in weiten Raum gestellt.
Er hat mich angenommen
Zu seinem Dienst und Werk.
Aus seiner Gnade Bronnen
Schenkt er mir Lust und Stärk.

Was einsam und verlassen,
verzweifelt, müd und schwach,
auf heimatlosen Straßen
In Qual und Ungemach,
hat er mit seinem Segen
mir an das Herz gelegt.
Nun darf ich froh mich regen,
weil sein Befehl mich trägt.‘“


Prof. em. Dr. Ilse Meseberg-Haubold war Professorin für Kirchengeschichte am Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg. Zusammen mit Hannelore Erhart und Dietgard Meyer wurde sie im Jahr 2002 für die gemeinsam verfasste Dokumentation zu Katharina Staritz mit dem seinerzeit erstmalig vergebenen Hanna-Jursch-Preis der Evangelischen Kirche in Deutschland ausgezeichnet.

Der Abend zu Katharina Staritz findet statt in Kooperation mit dem Evangelischen Forum Kassel, dem Archiv der deutschen Frauenbewegung und der Gedenkstätte Breitenau.